Der Seidenfaden ist eine tierische Eiweißfaser. Die schönste und wertvollste Seide wird aus den Kokons des Seidenspinners gewonnen. Aufgrund seines Lebensraumes wird er auch Maulbeerspinner genannt, da seine Raupen ausschließlich Maulbeerblätter fressen. Eine einzige Ausnahme bilden die wildlebenden Rassen, die Tussaspinner.

Herstellung
Die Kokons des Seidenspinners bestehen aus dem Fibroinfaden, den die Raupe vor ihrer Verpuppung spinnt. Um einen langen Faden zu erhalten, darf der Schmetterling nicht schlüpfen, da er ein Loch in den Kokon beißt und so den Faden durchtrennt. Daher wird die Raupe im Herstellungsprozess leider abgetötet.
Bei den Tussaspinnern werden die Kokons der geschlüpften Falter verwendet. Die Raupe muss hier also nicht sterben. Die Fäden sind dadurch deutlich kürzer. Tussaseide ist so weniger glänzend und durch den gröberen goldgelben Faden dicker als die anderen Seidenarten.
Biologische Seide
Je besser die Ernährung der Seidenraupen ist, desto besser ist die Qualität der Seide. Da die Raupen große Mengen an Blättern fressen, müssen entsprechende Mengen Maulbeerbäume angepflanzt werden.
Im biologisch-dynamischen Landbau wird eine Mischkultur angelegt, um die Flächen im Gleichgewicht zu halten. Zwischen den Maulbeerbäumen werden Obst- und Laubbäume gepflanzt, die Vögeln als Nistplatz und der Beschattung dienen.
Auf Insektengift und Pflanzenschutzmittel wird verzichtet, deshalb ist die Seide rückstandsfrei. Die Qualität des Futters führt zu einer besseren Seidenqualität. Die Kokons sind größer, die Seide ist elastischer und hat einen gleichmäßigeren Faden bei höherem Glanz. Für das Einfärben wird weniger Farbe benötigt.
Eigenschaften
Seide nimmt bis zu 30% ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit auf, ohne sich feucht anzufühlen. Sie gehört zu den leichtesten Faserstoffen. Seide hat auch die höchste Elastizität aller Naturfaserstoffe und kann sich bis zu 24 % dehnen, dabei ist sie extrem reißfest.
Seide ist besonders hautverträglich und hat eine glänzende Oberfläche. Sie wirkt Temperatur ausgleichend, d.h. sie wärmt bei Kälte und kühlt bei Hitze.
Für Bourette-Seide wird der nicht abspinnbare Rest des Kokons verwendet. Sie ist unregelmäßig und leicht noppig, außerdem stumpfer und fülliger als andere Seidenarten.
Sie enthält besonders viele antimikrobielle Stoffe, mit denen sich die Raupe während der Verpuppung schützte.
Diese antimikrobiellen Stoffe entfalten ihre heilenden, entzündungshemmenden Eigenschaften auch auf der menschlichen Haut. Zudem fühlt sich Seide angenehm glatt und kühl an.
In Stilleinlagen kühlt und heilt die Bourette-Seide die vom Stillen irritierte und oftmals entzündete Brust der Mutter. Als Windeleinlage kommt Bourette-Seide immer dann zum Einsatz, wenn der Po Ihres Babys wund geworden ist. Direkt auf Babys Haut gelegt, entfaltet Bourette-Seide dort ihre heilende Wirkung und lässt Rötungen schnell abklingen.
Pflege
Seide ist empfindlich gegen hohe Temperaturen und kann beim Waschen leicht eingehen. Sie verschmutzt leicht, der Schmutz löst sich jedoch beim Waschen gut von der Seidenfaser. Artikel aus purer Seide sollten Sie mit der Hand waschen. Vermeiden Sie beim Trocknen direkte Sonneneinstrahlung, da die Faser dann brüchig werden könnte und an Festigkeit verliert.
Lesen Sie weiter zu: Faser Mischungen.
